The Purpose  of   HEALING - K.I.S.S.

- as stated 12 years ago - was and is

  to help me and my potential P E E R s 

"to HEAL ourselves into WHOLEness,

and - by extension - all of CREATion!"
Intro to Healing-K.i.s.s. 2001-2013
and Overview of its main libraries


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I focus my experiencing and awareness on being
"a   pioneer of  Evolution  in  learning  to  feel":
I let my Body vibrate and my Heart 'womb'

pain, shame, fear, boredom, powerlessness,
so feelings can >heal >guide>fulfill
>evolve,
and ~~~ offer ~~~"goldmines"~~~ to us all!!
"I want you to feel everything, every little thing!"

 

 

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InteGRATion into GRATeFULLness
Nourishment from Others

Shabbat, 2007_11_03

DAS HERZ IST WACH
Briefe einer Liebe
The Heart is Awake - Love Letters
written 1930

Second Page

 

See also Martin Fincke, once my fiancé, and our Denial-of-Feelings

p.278-284 Ben to Monna

Le Pré auz Mélèzes, Freitag den 27. Juni 1930

My own Beloved - ich bin hier oben im Turmzimmer zum erstenmal wieder seit Tagen, und so brennend die Ungeduld war, Dir zu schreiben, so sitze ich doch nun schon eine lange Zeit am Fenster und habe den Kopf in die Haende gelegt und nur denken koennen: My own Beloved! My own Beloved! es war wie ein Stoehnen vor Uebermass des Gluecks - ich habe so etwa nie gefuehlt. Herzschlag und Wort waren eins, nie ist mir so zwingend ein Gefuehl zum Laut geworden. Darum kam es wohl zuerst nur in meiner eigenen Sprache heraus, ganz fassungslos. Nicht nur, dass Ihr kommt - schon in vier Tagen - aber ich fahre mit hinauf und bleibe die ersten Tage bei Euch - weil Du "nicht gut aushalten " kannst, das sagst Du mir, Du Suesseste! dass schon wieder Abschied sein soll nach ein paar Stunden.

Wie schafft man Raum in sich fuer so viel Glueck? Das war, ich weiss es noch genau, das erste, was ich fuehlte, als Dein allererster Brief kam, heute vor Ewigkeiten, vor fast drei Monaten! Damals schrieb ich, mit einem Herzen das zitterte und "vor dem Stoss der Vorjahrsstuerme keuchte", an meinen ersten Briefen, immer von einem Vorwand zum anderen mich tastend und voll Sorge, dass der hauchduenne Faden abreissen koennte. Und dann kam Dein Brief und das Gefuehl, dass nicht Raum in mir war fuer das, was in mich einbrach. Heute liegt die wundervolle Garbe Deiner Briefe vor mir, mein Herz hat sich geweitet mit jedem einzelnen von ihnen und ist doch immer noch nicht grenzenlos genug, um diesen seligen Augenblick zu fassen.]

 

Da ist kein Brief - Du bist hier in meinen Armen und ich sage Dir alles, alles was diese Wochen gewesen sind an Not und Entbehrung, ich sage Dir alle Sehnsucht und allen Durst meine Herzens - ich weiss es heute nicht mehr, wie es moeglich war, dass diese Wochen durchlebt wurden ohne Dich. Und jetzt ist es vorueber - ich fuehle wie Du mir Deine Hand, wie in der allerletzten Abschiedssekunde an dem verhexten Nachmittag - in einer so selig beschwichtigenden, so leichten Bewegung auf die Lippen legst, dass ich schweigen muss in einem Kuss, mitten in diese troesende suesse Hand gekuesst.

Constance kam heute frueh gleich zu mir herueber mit Deinem Brief. Sie freut sich mit mir auch so sehr ueber das Kommen Deines Bruder. Ich habe ja einen kleinen Einblick getan in Eure Haeuslichkeit. Sie aber hat grosses Interesse an dem vorbildlichen Bruder-schwester-Heim und sagte mit Befriedigung; "Now we shall see something of the men folk of that delightful creature." Sie zaehlt neben dem Bruder auch Euren Freund zu Familie und hat wohl Recht.

 

Ann Nielsen kam um sich zu bedanken und Dein Buch zurueckzubringen, sie nahm gleich Deine "Paradoxie der Weltwirschaft" mit. In Kanada ist mehr Tradition im Erhalten der Ursprungssprachen in den Familien, ihre Mutter stammt aus einer deutschen Familie und man spricht dort deutsch, im Gegensatz zu Amerika, wo sich das Sprachliche so schnell verliert. Ich lese mit ihr und Pat viel Deutsch und zwar sind wir bei den Gedichten haengen geblieben - ich habe die Theorie, die eigentlich schon durch Praxis recht gut erhaertet ist, dass man Sprachen sehr gut und sehr angenehm in ihrer Dichtung lernt und zwar womoeglich "auswendig". Es ist viel aufschlussreicher ueber das wesen einer Sprache, solch ein Gedicht, als Prosaseiten es sind. Pat ist nur fuer die ganz kurzen, seine Grenze sind Achtzeiler - der "Fichtenbaum" ist sehr beliebt. Auch die "Feldeinsamkeit" in den Brahmstexten wird gepflegt. Ann wagt sich schon an laengere Sachen und wir finden diese Uebungsstunden schoen.

Der Fichtenbaum
(Heinrich Heine)

Ein Fichtenbaum steht einsam
Im Norden auf kahler Höh';
Ihn schläfert; mit weißer Decke
Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme,
Die, fern im Morgenland,
Einsam und schweigend trauert
Auf brennender Felsenwand.

Feldeinsamkeit
(Hermann Allmers )

Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne stille Träume; -
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ewge Räume.

 


Jetzt werde ich mich raechen und Guy auftragen, mir so viele ungesehene und unerlaubte snapshots von Dir als nur irgend moeglich machen! Da soll er seine Spuernase als Scout betaetigen! Dass Du meinen Haushalt aber wirklich als einen solchen empfandest und ihn nicht, wie ich oft fuerchte, fuer eine Art von gigantischem Picknick hieltest, das ist mir so ehrend, dass ich ganz uebrmuetig werde. Ich tue im Grunde wenig dazu, Pomfret tut alles. Pomfret ist Buchbinder von Beruf, Hausbesitzer in Cambridge und schon Grossvater, aber er ist die unsichtbare Seele meines Hauses. Wie das kam? - das ist eine verrueckte Geschichte, aber wie solche oft sind, sehr huebsch.

Wir waren jahrelang in Cambridge gute Freunde gewesen, er band meine Broschueren und Schriften ein, kam durch mich an hunderte vn Studenten, deren Arbeiten und sonstige Papiere er auch behandelte, ich hatte Gelegenheit, ihm sehr viel Kundschaft zuzuschicken und er war in vielen Dingen mir ein rechtes Faktotum. Er kam allmaehlich zu behaebigem Wohlstand, baute sich in der Bahnhofstrasse ein Haus, verheiratete seine Kinder, es blieb aber bei unsrer alten Freundschaft. Er ist von Natur ein Buecherwurm, liest grundsaetzlich alles was er einbindet und hat sich so einen Schatz von hoechst origineller Weisheit und Wissenschaft erworben. Sein Gedaechtnis ist erstaunlich, er geht mit buechern um wie ein Schaefer mit seiner Herde und wusste in meiner Bibliothek schliesslich besser Bescheid als ich selber.

Als ich durch die Erbschaft der Tante Prudentia mich entschloss, nach Genf ueberzusiedeln und ihm das Einpacken meiner zahlreichen Buecherkisten uebertrug, war ich etwas verwundert, als ich hoerte, dass er gleichzeitig sein Haus einem Sohn uebergab und seine Angelegenheiten in der Stadt gewissermassen abwickelte. Als ich ihn fragte, ob er auf seine alten Tage nach Australien auswandern wolle - er hat eine verheiratete Tochter dort und plante einen Besuch bei ihr - sagte er freundlich aber bestimmt: "Nun, Sie und ich, Sir, wir gehen doch nun unter die foreigners." Fuer den echen Englaender sind doch alle Teilde dees nichtbritischen Auslandes einfach "foreign parts". Ich fragte erstaunt; "Sie auch, Pomfret?" Worauf er dies ruhig bejahte. Als ich ihm sagte, dass ich nicht die Absicht und auch nicht die Mittel haette, mir einen Hausverwalter zu halten oder ihm irgendeinen, seinen menschlichen und fachlichen Eigenschaften angemessenen Posten anzubieten, setzte er mir auseinander, dass er ein Gehalt nicht benoetige. Er kaeme gern mit. Ich brauche jemanden, der meine Buecher in Ordnung hilete, mir allerhand Arbeiten in der Bibliothek abnahme, er haete sich genug erspart, um als freier Mann zu leben und ausserdem interessiere ihn GEnf und die neuen Institute dort, der Voelker bund, das Intrnationale Arbeitsamt usw., und er haeete es sich alles gen in der Naehe angesehen. Was Hausmaedchen und gaertner und solche Leute zu tun haetten, da wisse er, eine gute Koechin gaebe es sicher in der Schweiz und er wolle die Rolle eines Hausverwesers und Sachwalters in diesen Regionen sehr gern ueernehmen. Und so kam er mit! Jetzt ist er sechs Jahre bei mir, alljaehrlich nimmt er einen vierwochigen Urlaub, ueber dessen Zeitpunkt wir uns muehelos einigen., So ist mein Haushalt in doppeltem Sinne ein Maennerhaushalt, Du Geliebtes! Und es koennte wohl sein, dass er vor weiblichen Augen nicht sehr gut abschneidet. Ich selber finde ja auch, dass alles ganz nett klappt, aber vielleicht bin ich befangen! Pomfret hat sehr exakte Anschauungen ueber die Pflichten des Hauspersonals und fuehrt ein vaeterliches REgiment, ohne je irgend jemanden zu verstimmen. Mit ist er richtig ein Stuck Cambridge, unverueckbar haelt er an seinen heimatlichen Braeuchen fest, pflegt sein gaertchen, das ich ihm vor den Fenstern seiner zwei Stuben im Seitenfluegel eingerichtet habe, bastelt in seiner Werkstatt, wo er immer irgendein Ding in Reparatur oder Buecherenbaende zu erneuern hat. Es ist mir bis hetzt gelungen, Guy zu verhindern, ihm dabei zu helfen, denn die Buecher sind noch immer fuer ihn verboten, wenn auch seine Augen wesentlich gekraeftigt sind. Aber Pomfret zieht an, er hat die richtige Art eines gewissen Typus englischer Menschen, die als Kolonisatoren und Menschenbehandler ganz ausgesprochen erfolgreich sind und die wichtige Eigenschaft haben, dass man sich mit ihne vertraegt, auch wenn sie eigentlich "fremdkoerper" in ihrer Umwelt sind. Dass Genf auch Nebel kennt und die Leute dort auch Rheumatismus haben, beruehrt ihn heimatliche und soehnt ihn mit der Fremde aus. Im Grund ist er im Exil, aber freiwillig - und das hat seine Wuerze! Mit der franzoesisch sprechenden Umgebung verstaendigt er sich, wie seinesgleichen dies ueberall in der Welt tut, auf eine mir voellig raetselhafte Weise. Es hat sich eine Art Privat dialekt zwischen ihm und den anderen Hausbewohnern herausgebildet, der glaenzend funktioniert.
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Mein Liebling - die weite Nacht ist so herrlich hier oben. Ein grosses Dreigestirn steht in unsagbarer Schoenheit ueber dem Mont Blanc, strahlend von Kraft und unermesslichem Geheim is. Bleibe bei mir heute Nacht, Monna, Geliebte! Tu Deine Arme um meinen Hals und sieh mich an. Ach dunkelaeugige Wolke! huelle mich ein und lass mich traeumen und ruhen in Dir. Nein - nicht ruhen! Lass mich Dir sagen, dass ich verzehrt bin von Sehnsucht, nach dem Blick Deiner Augen, dem Duft Deines Atems. Ich kann meine Arme nicht von Dir loesen heute Nacht, meine Lippen nicht von Deinen Lippen. Wie ein Strom geht die Erinnerung mir durchs Hez - an die schenkende Fuelle jener Nacht unter dem Mond. Deine Augenlider waren zart wie die Narzissen - die Suesse dieser ersten jungen seligen Kuesse wird bei mir sein bis zum letzten Atemzug. Ach wir waren im Paradies und die Welt war eben erst erschaffen worden!
ein Herz ist wie ein grosser offener Tempel unter dem Nachthimmel, durch den der Atem Gottes geht.

Sei gesegnet. ~~~~~~~~~~~~~~~~ B.

[Will not be completed for the time being - 2007_11_24]

Martin Fincke 1959-1961

Bielefeld, November 1959

 

 

 

 

Frankfurt, 1959

 

 

 

Boeblingen, August 1960

 

 

 


A train+bicycle trip to Martin's aunt somewhere in Hessen.
A very painful understanding started to dawn in our hearts...

285 Monna to Ben
Les Avants, Freitag den 4. Juli

Der Pindar, den Du haben wolltest, Geliebter, soll in Deinem Wagen liegen, wenn Du heute Abend nach Hause faehrst - die Propylaeenausgabe ist reichhaltiger und verstaendlicher als die manchmal geniale, aber auch sprachlich sehr verschmoerkelte Hoelderlin-Uebersetzung. Das Bild von mir, das in Dresden gemacht ist - ganz will ic Dich und mich doch nicht Guys Jagdbeute ueberlassen - muss unbedingt meinen "besten Moment" erfasst haben, weil ich dabei an nichts als das Wiedersehen auf dem Bahnhof in Montreux gedacht habe. Kann man das erkennen?

Und was soll ich sonst sagen, was die Fuelle dieser zwei Tage oben und heute bei Dir fassen koennte/ Ich wollte so gern Dir die Schale voll Glueck und Dank heute Abend auf den Schreibtisch im Turmzimmer unter die Kerze stellen, aber ich fuehle wie niemals, wie arm alle Worte sind gleich neben der ueberwaelti-genden Gegenwart!

Der Regen war manchmal wie der Mantel der Mutter um das heimlichste Leben und manchmal wie ein Glueckauf der Goetter in seiner wunderbaren elektrisierenden Frische. Ich war fuer alles dankbar. Und alles warst Du, Ben! Gute Nacht - wie schon viele Male und doch wieder ganz neu. Deine M.

 

 

 

286-289

Ben to Monna
Le Pré auz Mélèzes, Freitag Abend 4. Juli 1930

----Dein Buchpaeckchen neben mir im Wagen war mir auf der einsamen Ruckfahrt ein solcher Trost! Ich wusste, dass es den Pindar, aber ich hoffte, dass es einen Brief enthalten wuerde - ich habe es erst jetzt, ganz spaet in meinem Zimmer, geoeffnet, weil es mir die Stunden erhellte, das sichere Wissen, dass "noch etwas schoenes" kommen wuerde. Ich bin so masslos verwoehnt, so aus allem Training herausgekommen durch die wunderbare Fuelle dieser Tage in Deiner Lebensluft, Du Reiche - Du Suesse! Ich entbehre ganz physisch das nahe Nebeneinander, das Gehen, das Sprechen, da Schweigen an Deiner Seite. Und nun forsche ich in Deinem Bilde, Du! - nach allem, wa ich so heiss entbehre. Wunderbares Wissen um tausend kleine und kleinste Dinge - in mein selies Traumleben vorher ist der volle Sonnenschein hineingestoremt - und in seinem Licht sehe ich mein einsames Zimmer hier auf eine seltsame Weise verwandelt. Du Leben! Du Gegenwart! - weisst Du , manchmal glaube ich, man muss ein Menschenalter laenger auf der Welt gelebt haben als der Mensch, den man liebt - um ihn so ganz in seiner eienen Art und eigenen Unvergleichlichkeit sehen zu koennen wie er dasteht im Leben, in seinem Kreise, in dem, was zu ihm gehoert und in ihm widerklingt. so "all round" sehen, das was man liebt ! - das ist mein tiefstes und fast unsagbares Erleben. Meine Freude - meine tiefe Freude an Deinem bluehenden, reichen Sein - um das ganz ausschoepfen zu koennen, moechte ich, wie ich manchmal fuehle, wenn ich ganz naiv eifersuechtig bin, anz spontan Dich nur mir zugekehrt, nur mir zugaenglich sehen! - ich moechte mehr als nur Einer, ich moechte fuenfzig verschiedene Menschen in Deinem Kreise sein, um Dich auf fuenfzig verschiedene Weisen zu lieben, auf fuenfzig verschiedene Weisen mit mir verbunden zu sehen. Absolut lebenswahr ist das; Thy elder brother I would be - thy father - anything to thee. Und nicht nur die Verwandschaft - nein, alle Sorten der Freundschaft, alle Phasen der Verbundenheit moechte ich mir Dir erleben. Du sagst ja immer, dass ich ein laecherliches Gemisch von asket und Schlemmer bin! Ja, diese Mischung ist mir unmittelbar verstaendlich - ich koennte einfach selig mit Dir sein, wenn wir so frugal als moeglich miteinander gegen irgend etwas einen harten spannenden Kampf durchhalten, einen trockenen aber notwendigen langweiligen Weg zusammen gehen muessten, aber zusammen! aber miteinander! Und wieder koennte ich unersaettlich sein trotz naechster, engster, suessester Verbundenheit - - ach Monna! Monna! - Was wir sprachen in diesen unvergaenglichen Tagen war ein ununterbrochenes Einmuenden zweier Stroeme ineinander, das war koerperlich fuehlbar, alle Jahre, die ich gelebt habe, wurden wieder lebendig in mir, wir haben wechselseitig einander gesehen von Jugend auf bis auf den heutigen Tag, wir haben uns so bestaetigt, uns auch wieder so wundervoll auseinandersetzen muessen! Das war doch das Bezauberndste, dass jeder so stark aus seinem Eigensten schoepfen konnte, ich habe nie vorher den Reichtum unserer ganzen Zeit, das unglaublich Komplizierte unserer augenblicklichen Lage als Europaeer, als Blutsverwandte gemeinsamer Kultur, so stark und so faszinierend gespuert. Ihr Beide wart so gut zu mir, dass Ihr mich teilnehmen liesset an Eurer Zweisamkeit! - ich habe den morgendlichen Gang mit Deinem Bruder so genossen, wenn Du Eure Post durchsahst und Deine Arbeiten machtest. Er ist, wenn ich das so sagen darf, der deutscheste Mensch, den ich kenne, in diesem Sinne des Deutschseins, an da ich instinkhaft von jeher geglaubt habe. Menschen, die in dieser unbedingten Art niemals "das Ihre" zu suchen scheinen, ganz von sich selber los sind - einer Idee, einer Sache dienend in einer, wie mir scheint, schlichteren und reineren Form als andere. Wobei ich mir sehr bewusst bin, dass diese Art deutscher Mensch immer seltener wird, auch in deutschland. Darum die grosse Kostbarkeit der noch vorhandenen Exemplare. Ich mag ihn so gern, Deinen Bruder! Ich moechte einmal irgend etwas mit ihm zusammen tun, eine Reise, eine arbeit, irgend etwas! - Gruesse ihn von mir. Das Finanzblatt der Times liegt bei, und das letzte Buch von Keynes, das er noch nicht kannte. Jetzt muss ich mich sehr zusammennehmen und um meine Gaeste kuemmern, es sind einige neue angekommen, Pat und Basil haben sich mannhaft betaetigt und nach dem Rechten gesehen, und aus dem Fenster sah ich eben zwei vermummte Gestalten vorbeiziehen, deren eine mir leidenschaftlich zuwinkte, das muss Semmele sein. Sie dekorieren, wie ich hoere, die Garage und sind von Pomfret mit weissen Malerkitteln ausgestattet worden. es soll etwas aufgefuehrt werden, natuerlich. Dieses Kind fuehrt immer auf und ich freue mich fuer den sachlichen und rationellen Guy, dass er einmal bei so etwas unerbittlich mitmachen muss. Jetzt sitzt Ihr auf Eurem Balkon - Juergen wird etwas muede sein, auch von dem ersten Tag ohne Dich da oben. Und Du - bist Du je muede? Nein! Du Geliebte, Du Quell - Du Lbsal! - Wie schnell war heute alles erledigt, Deine Verstaendigung mit den Bibliothekaren, das Programm Deiner Arbeit. Bis Sonntag Nachmittag muss ich warten. Constanzce freut sich auf unsere Fahrt hinauf zu Euch. Und ich - - ach Meine ! ~~~ Aber ist es nicht schon Uebrmass an Glueck, das die Tage nun angefuellt sind mit der wunderbaren Spannung desKommens und Gehens von Dir und zu Dir. Der alte Adam wird zu tun haben, um Dich allen denen hier unten, die auf Dich warten - Constance ist schon anz neidisch - und das Kind Ann und Deine Arbeit, und dem Bruder und Eurem eigenen Leben dort oben, jeden Tag neu zu goennen. Der alte Adam uebrhaupt - ! Ich muss mich sehr enrsthaft mit ihm befassen. Aber heute noch nicht - heute muss ich Dein Bild betrachten, das mich ansieht mit dem schoenen offenen Blick - dem ganz leisen Laecheln, von dem man nicht weiss wo es anhebt - in den Augen ! Auf den Wangen! - unsterbliches Geheimnis der Frauen, die geliebt werden, die geliebt werden wie Du ! ~~~~~~~~~~~~~~~~~~Ben

 


Boeblingen, August 1960


From left to right:
Martin,
Eric (a paying guest from England), I, my brother Eberhard,
and Jacque, a paying guest from France


Frankfurt with Martin's Family, and he alone on a roof

 

 


1961 August, we both returned from our scholarship-year,
to which we had set out - by chance - on the very same day.
On Sept.6, 1960, he took the train north & traveled by ship to the US,
where he studied at Cornell University in Ithaca..
On Sept. 6.1960, I took the train to Genua & travelel by ship to Israel,
where I studied at the Hebrew University in Jerusalem.
We met for 2 days at Heidelberg and --parted as "friends".

290

Monna to Ben

Les Avants, Sonnabend den 5. Juli 30.

Geliebter, nur einen Gruss zum Sonntag Morgen mit den paar verspaeteten Alpenrosen. Wir kommen vom Cubly, d.h. wir sind bis Sonloup mit der Drahtseilbahn gefahren. Der Himmel ist nach den Regentagen wie eine leere dunkelblaue Glocke, nicht ein Hauch darueber. Aber ich mochte heute die Himmelfahrt in diesem Kasten icht, es schien mir unheimlich und Frevel. Ich hatte ien Gefuehl, man duerfe die Erde nicht loslassen, wenn man auf irgendein "Dach der welt" will - es ist treulos und erzuernt Pan. Pan ist an einem solchen Tage, wenn das goldenblaue Luftmeer beinahe starr ueber den Matten steht, merkwuerdig nahe. Man hat immer ein schlechtes Gewissen vor ihm, als Mensch, der "Menschliches muss" und "Schicksal vermeidend sich sehnt nach Schicksal". Wie einschuechternd sicher und eindeutig ist an einem solchen bis in den letzten Winkel aufgehellten Tag die Natur. Aber ich schreibe Unsinn. Juergen gruesst Dich sehr! Er ist ein bisschen stumm, aber es geht ihm gut. Wir freuen uns auf morgen. Ich lege meine Arme um Deinen Hals, grosser Bruder Ben ~~~~~~Deine

 

 

290-292

Ben to Monna
Le Pré auz Mélèzes, Sonntag Abend 6. Juli 1930

~~~Constance blieb noch bei mir, nach unserer Rueckkehr und ist eben fortgegangen. Sie hat das schoene freimuetige Zusammensein mit Deinem Bruder so genossen und mir ueber dich, Geliebte ein paar wirklich kluge Dinge gesagt - ich habe heute ihre warme unbefangene Art wohltaetig empfunden. Es war mir doch ganz sonderbar zu Mute, als wir zu Euch fuhren mit ihren Rosen, die sie in voller ueberstroemender Herzlichkeit gepflueckt hatte zur Nachfeier der deutschen Feiern - - wir haben die Befreiung des Rheinlandes, die endliche, ich kann wohl ssagen wie ein eigenes starkes Herzenserlebnis empfunden. Aber durften wir es denn - man traegt doch vor allem mit an dieser Schuld, die unser Land mitverantwortlich, wenn auch widerwillig genug (was die Sache nicht besser macht), auf sich geladen hat. Gottlob, es ist vorueber, wie ein boeser Spuk! Was belibt, ist noch immer schlimm enug. Constance in der absoluten Lauterkeit ihres Herzens hatte keine Skrupel wie ich, sie steckte mich an mit ihrer frohen Zuversicht, dass nun alles besser werden muesse! Aber die vorbildliche Haltung von Euch Beiden in dieser ganzen Situation - das war das eigentlich Grosse! Ich habe Dir ja nichts sagen koennen - ein Handkuss am Schluss und der suesse Druck Deiner Hand als Antwort - mehr konnte ich nicht mit fortnehmen. Und muss mich jetzt ein wenig troesten mit diesem Brief.

Dass mein Turmzimmer Deine Fenster in Constances Garten gerade im Blickfeld hat, sit schoen, Geliebtes! Morgen findest Du diesen Brief in Deinem Zimmer. Unser Taubenschlag hier und Constances Karawanserei wird mir in diesen Tagen auf die Nerven gehen, das ist selbstverstaendlich, ebenso selbstverstaendlich, dass ich keine Notiz davon nehmen darf. Zwei gesegnete Tage bleibst Du nun bei uns unten. Siehst Du, ich sage "uns', es ist das Ergebnis meines ernsthften Gespraechs mit dem alten Adam! - es fiel mir auch heute eine Aufgabe zu, die nicht ohne Humor zu bewaeltigen war, ein langes Argument mit Pat ueber die Leidenschaft! Er ist ein so rebellisch Liebender, dass er das von ihm eliebte Wesen nur noch von sich aus sieht - masslos leidet, wenn es die Wirklichkeit seiner eigenen Natuer und seiner eigenen Lebensforderungen als Schranke ihm in den Weg stellt. Er versteht nicht, dass dies ganz naturhaft, unbewusst geschieht. Er zuernt - er klagt an - es ist eigentlich nur noch forderndes in ihm. Wir sprachen lange. Mein Lieb- ich sage Dir zaertlich - zaertlich -Gute Nacht! ~~~~~~~~~~~~~~~Dein B.

In September 1963-Rafael came to Germany,
to see Immanuel, our son,
for the first time,
when he was 8 months old,
and to tell me,
that he wanted to divorce
and marry me,
and to ask me,
if I would become Jewish.
We were together secretly
for a week near Boeblingen,
the town, where I lived with my mother and my baby.
When Rafael returned to Israel,
I traveled with him to
to the airport in Muenchen.
There I held Andreas Fincke
in my arms
...
About 19 years later Andreas visited me in Ramat-Gan,
where - after my divorce - I lived with my children for 4 years.


 

In 1978, when I participated with my daughter Ronnit
(visible on the picture with Andreas- above)
in a Co-counseling workshops in England,
the Fincke Family were on holiday in England
and we arranged a meeting.


 

The last time we saw each other was in 1983,
when I visited his family in Passau,
where Martin was a Professor for Law
and a European expert in Russian law.
I corresponded with his daughter Shoshana for a while,

(standing next to Alice, her mother)
and sometimes even Martin and I corresponded.
But it was more my interest than his
and finally I couldn't get hold of his e-mail address any longer.
I was well aware of his 70th birthday 4 days ago....

292-294 Monna to Ben
Les Avants, Sonnabend den 5. Juli 30.

Geliebter - es ist spaet geworden, die beiden Maedel hatten nach dem Abendessen, da sie ja zur Nacht oben bleiben wollten, Lust zum Tanzen und haben Juergen zu meiner Freude angesteckt. Es ist fuer einen Rekonvaleszenten viel heilsamer, dass ganz unbekuemmerte und leichtsinnige junge Menschen ihn in Regie nehmen, habe ich eingesehen, als dass es jemand macht, dessen Vernunft nolens volens mit dem Arzt im Bunde ist.Erst musste er ja einfach als Wirt und einziger Herr aus Hoeflichkeit zur Verfuegung stehen, und dann hat es ihm einen Riesenspass gemacht, und da die kleine Nielsen mit ihrer prachtvollen geistigen Energie ihn ebenso gern als "Finanzmann" auspumpen wie mit ihm tanzen wollte, war ein gutes Gleichgewicht hergestellt. Die beiden jungen Kesslers waren auch da - die Eltern gehoeren doch beide zu den deutschen Exemplaren, von denen Du sagst, dass sie selten werden (ich weiss nicht, ob Du recht hast!). Wenn zu der wirklich guten und gediegenen deutschen Familienerziehung die Schule der geistigen Beweglichkeit im internationalen Kreise hinzukommt, entsteht doch ein sehr gutes Ergebnis. Ich freue mich, dass Kesslers im Herbst vom Voelkerbund zurueck ins Auswaertige Amt kommen; Annemarie wird in Berlin die Hochschule fuer Musik besuchen - Geige - das ist huebsch fuer unsere musikabend, die Volker mit seinem wirklich grossen Koennen bisher beinahe allein bestritten hat. Hans Karl, der einen Rest von deutscher Rechthaberei noch nicht ganz untergekriegt hat, zankte sich tuechtig mit Maisie, deren ruhiges genaues juristisches Wissen aber seiner uebertreibenden und romantisierenden Draufgaengerei - so ist der Jahrgang bei uns durchweg - zu meinem Vergnuegen sehr ueberlegen war. Es hat mir viel Spass gemacht. Sie wollen uebrigens sehr gern mit auf die Cime haute. Wir werden eine Karawane.

Aber das wollte ich alles eigentlich gar nicht schreiben, sondern ganz anderes. Die Zeit laeuft so schrecklih schnell, Liebster - Liebster! Findest Du nicht? Heute ist wirklich schon eine ganze Woche vorbei von unserem Monat und ich habe Dich an diesen beiden Tagen so wenig gesehen - scheint mir. Nur den Montag Abend richtig, und die beiden schnelln Morgenbesuche bei der entzueckenden Bess in ihem Paddock. Wann werden wir reiten, Ben? Ich koennte eigentlich Donnerstag schon abends hinunterkommen und wir wuerden am Freitag ganz frueh, wenn die Sonne aufgeht, einen langen Ritt machen, von dem die anderen nichts zu wissen brauchen.

Ich kann Dir nicht sagen, GEliebter, was fuer eine wirkliche Gnade das Tanzen mit Dir am Montag Abend war! In dieser Gestaltenfuelle und dem Unterhaltungswirbel um Constance herum fuehlt man sich wie in Fetzen gerissen und verteilt, - dieser Traumwandel, wie Du sagtest, war doch die einzig denkbare Moeglichkeit, sich miteinander abzuschliessen und einander zu gehoeren. Ist nicht der Tanz so eine letzte Probe auf die Magie der "sternischen Verbindung" - man kann ganz anders eins sein als mit Worten. Es war ueber alle Worte schoen, dies nun zu wissen. Heute habe ich nicht mitgetanzt - ich will Dich im Gefuehl behalten, einzig Geliebter!

Und ich weiss gar nicht, ob Du morgen oder uebermorgen heraufkommen kannst. Ach komm, ja? Mit Ann Nielsen will ich morgen Vormittag noch arbeiten, sie ist Feuer und Flamme und richtig ein geschenk fuer mich - wie umekehrt. Sie muss dieses Material, das ich mir hier zusammenstelle, ja auch beherrschen, es ist gerade das, was sie gern besser begreifen moechte wie alles um das grosse Problem der Paradoxie des weltkapitalismus herum. Da sind wir - Kriegs- und Nachkriegsgeneration - eine Front. Aber mittags fahren sie hinunter und nehmen diesen Brief mit. Ich werde - for show,,,,

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