The Purpose  of   HEALING - K.I.S.S.

- as stated 12 years ago - was and is

  to help me and my potential P E E R s 

"to HEAL ourselves into WHOLEness,

and - by extension - all of CREATion!"
Intro to Healing-K.i.s.s. 2001-2013
and Overview of its main libraries


[If you look for a word on this page,
click ctrl/F and put a word in "find"]


I focus my experiencing and awareness on being
"a   pioneer of  Evolution  in  learning  to  feel":
I let my Body vibrate and my Heart 'womb'

pain, shame, fear, boredom, powerlessness,
so feelings can >heal >guide>fulfill
>evolve,
and ~~~ offer ~~~"goldmines"~~~ to us all!!
"I want you to feel everything, every little thing!"

 

 

 

Back to Overview of all Songs


InteGRATion into GRATeFULLness
Singing&Sounding keeps me Sound

In diesem Dorfe steht das letzte Haus

2007_03_29

In diesem Dorfe steht das letzte Haus

lyrics:

Rainer Maria Rilke
From "Das Stundenbuch"
"The Book of Hours"

tune:

Christa-Rachel Bat-Adam
January 2005

 

In diesem Dorfe steht das letzte Haus
so einsam wie das letzte Haus der Welt.

Die Strasse, die das kleine Dorf nicht hält,
geht langsam weiter in die Nacht hinaus.

Das kleine Dorf ist nur ein Uebergang
zwischen zwei Welten, ahnungvoll und bang,
ein Weg an Häusern hin statt eines Stegs.

Und die das Dorf verlassen, wandern lang,
und viele sterben vielleicht unterwegs.

The last house of this village stands
as alone as if it were the last house in the world.

The road, that the little village cannot hold,
moves on slowly out into the night.

The little village is but a place of transition,
expectant and afraid, between two distances,
a passageway along houses instead of a bridge.

And those who leave the village may wander
a long time, and many may die, perhaps, along the way.

See also three other beautiful poems translated

 


to former song to next song



2011     From Rilke's Letters

re-read and copied - "by chance" - 4 years after the establishment of this page, on March 29, 2007,
and as continuation of "Rilke" on SongGame 2007_03_30

Before December 5, 1914 ,
written at the end of the first year of World-War I:

....Alles Sichtbare ist eben wieder einmal in die kochenden Abgruende geworfen, es einzuschmelzen. Die Vergangenheit bleibt zurueck, die Zukunft zoegert, die Gegenwart ist ohne Boden, aber die Herzen, sollten die nicht des Schwebens Kraefte besitzen und sich erhalten im grossen Gewoelk? In den ersten Augusttagen ergriff mich die Erscheinung des Krieges, des Kriegs-Gottes, (im Insel-Kriegs-Almanach werden Sie ein paar Gedichte finden, aus dieser Erfahrung entstanden), jetzt ist mir laengst der Krieg unsichtbar geworden, ein Geist der Heimsuchung, nicht mehr ein Gott, sondern eines Gottes Entfesselung ueber den Voelkern. Mehr ist auch jetzt nicht zu leisten, als dass die Seele uebersteht, und die Not und das Unheil sind vielleicht gar nicht vorhandener als vorher, nur greifbarer, taetiger, sichtlicher. Denn die Not, in der die Menschheit taeglich lebt seit Anbeginn, ist ja eigentlich durch keine Umstaende zu steigern. Wohl aber sind Steigerungen der Einsicht da in des Menschseins unsaegliche Not und vielleicht fuehrt das alles dazu; soviel Untergang - - als suchtene [sic! probably a printing mistake] neue Aufgaenge - Abstand und Raum fuer den Ablauf. "~~~ Sagen Sie Ihrer Frau alles Liebe, bester Freund, und Gruesse allen Ihren, hoffentlich sehen wir uns naechstens in aufatmenden Tagen, vielleicht sind wir alle Lernende, und wenn wir bestehen, so gibt es hernach Herzferien wie noch nie.
In alter Treue Ihr Rilke.




On the other side of the page above:

226. An Marianne von Goldschmidt-Rothschild
         Berlin W., Belevuestrasse, Hotel Esplanade am 5. Dezember 1914

Liebe Freundin,
wirklich, ich muss Ihnen schreiben; wenn Sie hier sind, werd ich Sie sicher tagelang nicht sehen, aber dass Sie ploetzlich fort sind, weit weg und unerreichbar fuer Tage, geht mir seit gestern Abend nach und gereicht mir zur fuehlbarsten Entbehrung.

Wer kaeme und mir bewiese, dass es morgen erst eine Woche ist, seit ich zuerst bei ihnen eintrat, Frau Marianne: er haette recht, aber was, im Grunde, bewiese er? Immer mehr gehts mir so, dass ich zu den Menschen, die in Betracht kommen, vom ersten Augenblick an das ganze Verhaeltnis empfinde und zugebe, das nicht zu erweitern ist, sondern innen auszubauen; und das unsere, weiss ich, soll uns viel zu bauen geben innerhalb seines gross-verstandenen Raums. Freude, die wissen Sie zu geben und zu halten, koennt ich ihnen auch eine bereiten von Zeit zu Zeit; Freude ist unsaeglich mehr als Glueck, Glueck bricht ueber die Menschen herein, Glueck ist Schicksal, Freude bringen sie in sich zum Bluehen, Freude ist einfach eine gute Jahreszeit ueber dem Herzen; Freude ist das Aeusserste, was die Menschen in ihrer Macht haben.
[See my contentment with the beneficial differentiation between the terms JOY and HAPPINESS in a channeling through Celia Fenn in May 2005!]
Nun freu ich mich ueber Sie so sehr, dass ichs Ihnen schreibe; und es ist mir recht, dass ich vor einigen Wochen in Frankfurt war und mir nun vorstellen kann, wo Sie sind.
Den Rembrandt aus schoenborn'schem Besitz, den Simson, kennen Sie natuerlich laengst und doch wuenscht ich, Sie saehen ihn wieder; mir hats zu denken gegeben neulich, wie die auesserste Kunst das Grausamste unschuldig macht. Sehen Sie doch nur diesen Strom gluecklichsten Lichts, der hereindringt, um die wahnsinnigste Gewalt am hellsten Tag zu reissen: wer einen Maertyrer so darstellt, der haette den erhabensten Geist auf seiner Seite
[end of clipping]


Before July 9, 1915, to "Thankmar"

....der Eingriff des Schicksals hat Ihnen einige Ruhe und Wochen des Beisammenseins mit Ihrer Mutter gebracht, das wird Ihnen beiden guetig und ergiebig geworden sein in diesen, man moechte denken, Arges wie Gutes uebertreibenden Zeiten.

Denn so Gutes, wie Wiedersehen, muss eine Suessigkeit haben, die man ihm sonst nie zuzuschreiben wuesste; des ungeheuere Unheil schafft eine neue Skala des Empfindens, da es so tief herunterreicht, steigt es auch weiter an, ist es auch   m e h r , was man fuehlt? Oder liest man nur einfach Fahrenheitsche Lebensgrade ab, statt wie sonst Réaumur?
Unsereiner, Lieber, der so ganz Nichtkombattant geblieben ist, hat viel Zeit zu zweifeln: es ist wohl immer, sagt sich unsereiner, alles Elend da und alle Not bis zur aeussersten. Es ist immer die ganze Not in Gebrauch unter den Menschen, soviel da ist, eine Konstante, wie es auch eine Glueckskonstante gibt; nur die Verteilungen wechseln. Wer nicht gewusst haette, dass es soviel Not gibt, an dem waers jetzt, erschuettert zu sein. Aber wer, wahrhaft lebendiger, hat das nicht gewusst? Wunderbar freilich ist die Sichtbarkeit des Ertragens, Hinnehmens, Leistens so grosser Not auf allen Seiten, bei Allen.

[[Rilke could have experienced all this right now, in March 2011, after and during the gigantic disasters in Japan...]]

Groesse kommt an den Tag, Standhaftigkeit, Staerke, ein zum-Lebenstehen quand-même- -, aber wieviel in solchem Verhalten ist Verbissenheit, ist Verzweiflung, ist (schon schon) Gewohnheit?
[[Rilke did not yet know the term "denial", but he discerned it,
just as I discern "denial" in much of the Japanese "admirable" behavior during this time...]]

Und kaum, dass so Grosses sich zeigt und bewaehrt, kann das irgend den Schmerz mindern, darueber, dass solches Wirrsal, solches Nicht-aus-und-ein-wissen, die ganze truebe Menschenmache dieses heraufgereizten
(sic!) Schicksals, dass genau diese Nichts-als Heillosigkeit noetig war, um Beweise von Herzhaftigkeit, Hingabe und Grossheit zu erzwingen? Waehrend wir, die Kuenste, das Theater, in ebendenselben Menschen nichts hervorriefen, nichts zum Aufstieg brachten, keinen zu verwandeln vermochten. Was ist anderes unser Metier als Anlaesse zur Veraenderung rein und gross und frei hinzustellen, - haben wir das so schlecht, so halb, so wenig ueberzeugt und ueberzeugend getan? Das ist Frage, das ist Schmerz seit bald einem Jahr, und Aufgabe, dass mans gewaltiger taete, unerbittlicher. Wie?!

Lieber Thankmar, so siehts bei mir aus, innen. Aeusserlich ruest ich mich, aufs Land zu gehen, wenn sich ein kleines Landhaus findet, wie ich es (fuer mich allein) suche; sitze vorlaeufig hier in der Wohnung von Bekannten (die aufs Land gegangen sind) mit dem schoensten Picasso (den "Saltimbanques"), in dem so viel Paris ist, dass ich, fuer Augenblicke, vergesse......


Picasso: Lesson 3: Family of Saltimbanques [the lowest order of acrobats].


Rembrandt, The Blinding of Samson [1636] - to which Rilke relates in letter 226.

p. 633 , November 1920
Der Adressat R.S. schickte ein Manuscript an Rilke mit besonderer Berufung auf seine Erblindung.
copied on January 25, 2011; resonates with me especially with concern to the way, Ya'acov, polio-stricken not only concerning his legs but handicapped also with concern to his shoulder, has created his life - "as a true work of art" , would Rilke say.
…keinen Anschluss an die Erscheinungen der Kunst, als den der Bewunderung, und so bin ich durchaus gemacht, Zeit meines Lebens, Schueler der Groessesten zu sein und ihr Anerkenner, als dass ich mich tauglich faende zum Ratgeber derer, die sich noch nicht voellig ins Wesentliche ihrer Aufgabe gefunden haben. Denen darf ich nur wuenschen, dass sie den Weg des laengsten Lernens freudig einhalten, bis ihnen jenes tiefe verborgene Selbstbewustsein aufkommt, das ihnen – ohne dass sie jemanden danach fragen muessten – die reine Not, das heisst: Ununterdrueckbarkeit und Gruendlichkeit ihrer Arbeiten verbuergt. Das innerste Gewissen wach halten, das uns bei jedem ausgebildeten Erlebnis ansagt, ob es so, wie es nun da steht, ganz und gar in seiner Wahrhaftigkeit und Lauterkeit zu verantworten sei: D a s  ist der Grund jeder kuenstlerischen Hervorbringung, der auch dort zu schaffen waere, wo eine in Schwebe erhaltene Inspiration des Bodens entbehren kann.

Das grosse endgueltige Leid, wie es Ihnen zugefuegt worden ist, ist eine eigentuemliche Lockung fuer jene gefluegelten Eingebungen, die sich gerne ueberall dort niederlassen, wo eine Entbehrung groesser geworden ist, als irgend ein uns vorstellbarer Besitz. Sie konnten nicht anders, als eben dieses vollkommene Leid, von dem Sie merkten, wie sehr es dem Unsichtbaren und Geistigen anziehend sei, in die Mitte Ihres umgeraeumten Bewusstseins stellen; es bleibt, mit Recht, die unverschiebbare Stelle, von der aus alle Abstaende und Bewegungen Ihrer Erfahrung und Ihres Gemuetes zu messen sind. Aber nun muesste, da dies Einrichtung einmal getroffen ist, Ihre stille Uebung dahin gehen, dieses zentrale Leid mehr und mehr ohne jeden besonderen Namen zu ertragen, was sich in Ihren kuensterlischen Bestrebungen etwa so offenbarten wuerde, dass dort nirgends mehr zu erkennen waere,
w e l c h e   unendliche Einschraenkung die Veranlasssung ist,
dass Sie in beschwoerender Leistung Anspruch erheben auf einen unendlichen Ausgleich. Kunst kann nur aus rein anonymer Mitte hervorgehen. Aber auch fuer Ihr Leben (was es sonst auch hervorzubringen bestimmt sei) scheint mir diese Leistung die entscheidende; s i e   erst waere der Kern Ihres Verzichts. Indem Sie Ihr Leid als ein Namenloses, zuletzt doch nicht mehr benennbares, ertruegen,
bereiteten Sie ihm die Freiheit vor, in gewissen Momenten nicht nur Leid zu sein, sondern: Fuegung (-wer kann es absehen - ): Verguenstigung. Derartig eindeutige Schicksalle haben ihren Gott und sind damit fuer immer von jenen vielfaeltig komplikativen Geschicken unterschieden, deren Entbehrungen nicht tief genug sind und nicht genuegend verbunden, um dem Ausgruss (Ausguss?) einer so gross verantwortenden Gestalt als Negativ zu dienen. R.M. Rilke
On 31/1/2000 I noted below this passage : "Integration all meines Erlebten wird zum Lebens-Elixier f uer mich und andre."



From a clipping without date,
but obviously written at the end of 1920:

Nein- ich bin nicht laenger in Paris gewesen, sechs Tage. Es war so vollkommen, dass die Dauer keine Rolle spielte. Meinem Herzen, meinem Gemuet, meiner leidenschaftlichen Erinnerung an das dort Errungene und Erkaempfte war schon in der ersten Stunde eine so grossartige und sichere Genuege getan, dass ich nach deren Verlauf haette abreisen duerfen, ohne eigentliche Entbehrung.

Laengst hab ich mich ja gewoehnt, die gegebenen Dinge nach ihrer Intensitaet aufzufassen, ohne, soweit das menschlich leistbar ist, um die Dauer besorgt zu sein, - es ist am Ende die beste und diskreteste Art, ihnen   a l l e s zuzumuten -, selbst die Dauer. Faengt man mit   d ie s e m Anspruch an, so verdirbt und faelscht man jedes Erlebnis, ja man hemmt es in seiner eigensten, innersten Erfundung und Fruchtbarkeit.

Das eigentlich Unerflehbare kann immer nur  d a z u - geschenkt werden...

 

 

April 10-12, 2011
I am "Driving Backward" to the time-period of World War I

233. An Fuerstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe, z.Zt Muenchen, Widenmayerstrasse, am 9. Juli 1915

Meine liebe Fuerstin,
fast schon wieder ein Monat seit Ihrem Brief. Gottseidank sagte, dachte, fuehlte ich bei den Nachrichten ueber Duino -[see Duino Elegies - translated - on-line] und wagte doch nicht, Ihnen laut Gottseidank zu antworten, denn solang die Zerstoerung in der Welt ist, wer darf aufatmen, wer etwas fuer gesichert, fuer geschont, fuer gerettet halten? Im Persoenlichen sowohl, wie im Allgemeinen ists ein Aufgeben, ein Hinhalten allen Besitzes, um welchen Preis? Um welchen Preis, wenn nur diese Frage nicht waere , wer wuerfe das Seine nicht hin und sich dazu, begriffe er nur, ahnte er nur, dass ein rein Ueberlebender diese Unterlagen braucht, um weiterhinaufzuragen. – Wir, einige von uns, fuehlen laengst Kontinuitaeten, die nichts mit dem Ablauf der Geschichte gemein haben; auch ueber dieses Schicksal hinueber wird sich das [end of clipping]
On the same day, April 10, 2011, I read a "parallel" passage in
      Das Herz ist wach, p. 181,
written by "Monika" at the end of May 1930 ~~~about June 1915 :


In dem wunderschoenen Brief von Rilke, den ich unterwegs las, steht, dass wir "immerfort im Lieben unzulaenglich sind." Glaubst Du das auch? Es ist wohl wahr: wenn die Kraft des Herzens grenzenlos ist, dann muesste sie doch einfach alles koennen – alle Mulden, die sich ihr entgegenhalten, randvoll anfuellen. Und wir duerften nicht am Ende unsrer Macht stehen, wo noch nach unserem Herzen gerufen wird und wir hilfreich sein koennten.

Im Akaziengebuesch unter dem Balkon singen die Nachtigallen. Waehrend des Krieges war ich einmal in einem Schwerverwundeten-Lazarett in Ungarn um die Zeit, als die Akazien und der Jasmin bluehten. Es war waehrend der grossen russischen Offensive im Juni 1915 und das Lazarett war voller Sterbender. Wir waren alle so jung – das ganze Land bluehte - ueber dem ganzen Land lag dieser schwere suesse Duft, und in den Naechten geigten die Zigeuner.

Wikipedia: Rilke
Between October 1911 and May 1912,
Rilke stayed at the Castle Duino, near Trieste, home of Countess Marie of Thurn und Taxis.
There, in 1912, he began the poem cycle called the Duino Elegies,
which would remain unfinished for a decade because of a long-lasting creativity crisis.
The outbreak of World War I surprised Rilke during a stay in Germany.
He was unable to return to Paris, where his property was confiscated and auctioned.
He spent the greater part of the war in Munich.
From 1914 to 1916 he had a turbulent affair with the painter Lou Albert-Lasard.
Rilke was called up at the beginning of 1916, and he had to undertake basic training in Vienna.
Influential friends interceded on his behalf, and he was... discharged from the military on 9 June 1916.
He spent the subsequent time once again in Munich,...
The traumatic experience of military service, a reminder of the horrors of the military academy, almost completely silenced him as a poet.

234. An Elsa Bruckmann, Widenmayerstrasse, am 19. Juli 1915

Liebe, verehrte Freundin,
ich mache, seit wir uns am Telephon verstaendigt haben, immer gruendlicher die Entdeckung, dass ich mit unverantwortlichster Voreiligkeit Ihren guten Eifer aufgeregt habe-: wir muessen die geplante Vorlesung aufgeben oder mindestens ueber den Sommer hinueber aufschieben; ich bin doch jetzt nicht dazu imstande. Ich schrieb ihnen, wie der Impuls aufkam, in einer Stunde, da ich ins Lesen des "Stundenbuchs" geriet, aber grade dieser so unmittelbare als unvorhergesehene Impuls laesst sich nicht transponieren und zu einem bestimmten Abend ansammeln, wenigstens nicht aus meinen jetzigen Voraussetzungen heraus. Was ich mit dem Lesen neulich anrief, das war die Menge in mir, und vor dieser, vor lange keiner anderen werd ich mich zu benehmen und zu halten haben. Dies wurde ich erst nach und nach in diesen Tagen gewahr, und zwar ueber dem Weg der Einsicht, dass ich, vor einem oeffentlich geladenen Kreis, kaum den dritten Teil des "Stundenbuchs" lesen koenne, ohne mich auf einige vorausgehende Erklaerungen ueber den inneren Anlass zu dieser Lesung einzulassen. Bedenkend, wie etwa dieses Vorwort gestaltet sein muesse, setzte ich eine solche Masse geschonter, bisher unangeschauter Vorstellungen und Empfindungen in Bewegung, dass ich gleich einsah, die Ordnung weniger Worte und Dinge eine ungeheure Umordnung
(end of clip)
239. An Fraeulein Baumgarten, Muenchen, Widenmayerstr., 22. August 1915

- -- Sie werden sich, wenn Sie sich des jungen Menschen erinnern, der ihnen einmal begegnet ist, vorstellen koennen, dass der aus ihm Gewordene, Heimatlose und in mancher Art Alternde keine Zurechtfindung aufbringt in einer fast ganz widerrufenen, zerfallenen, sich selbst zerreissenden Welt! Die Besinnung, zu der er kommen muesste, ist eine so tiefe, so gruendliche, er muesste so weit durch alle Kindheit durch zu sich wieder kommen, alles, was er war, muesste da sein in ihm, ja in einem unerhoerten Sinne muesste er Besitz von seinem vollzaehligen Herzen nehmen duerfen, um die Verluste nicht zu merken, um in sich selbst die Stelle zu haben, die wiederum Welt-Stelle ist und nicht ein Platz innerhalb von hundert Beschraenkungen. Gewissen Gefangenen, von denen die Geschichte weiss, ist es so gegangen, dass sie in den Tagen vollkommen aeusserer Entbehrung in der Tiefe ihres Wesens sich selbst und die unerschoepf-lichste Freiheit errangen, wenn das jetzt gelaenge; aber um so grosse Besinnung zu gewinnen, ist die abgeschlossene Umgebung doch wieder nicht Gefaengnis genug; selbst fuer den, der keinen Anteil an ihr hat, ist sie zu unmittelbar schicksalsvoll, zu ungewiss und wirbelnd, zu sehr durchzuckt von Schmerz und Hoffnung, zu ahnungsvoll, zu erregt und zu ungluecklich. Und indem man zugibt, dass dies alles sei, moechte man fast schon beklagen, sie sei es nicht genug. Wieviel Vertuschung in den Staedten, wieviel schlechteste Zerstreuungen, welche Heuchelei im unentstelltem Hinleben, unterstuetzt durch gewinnsuechtige Literatur und erbaermliche Theater und geschmeichelt von der widerwaertigen Presse, die sicher an diese Kriege viel Schuld hat und noch mehr Schuld daran, dass Zweideutigkeit und Luege und Faelschung das ungeheure Geschehen zu einer Krankheit machen, wo es doch haette eine [end of clip]
April 12, 2011

I remember a scene in "Succah in the Desert", during the Gulf War, in February 1991.
A guest from Australia booked an entire week but asked for a sharp reduction of price,
at a time, when I struggled to keep my head above the water, and not only financially.
Somehow I expressed my frustsration,
that she allowed herself to "contemplate" for a week,
while the world was in such an upheaval,
and I had to work and suffer so hard,
so that she "could have" her contemplative rest.

But my guest said some sentences, which completely convinced me:
There is a task for those who try to change the world by working hard,
but for changing the world also those who comtemplate it, are needed.


The Lea-Succah, in which the guest from Australia lodged in 1991

 

page 499-500- 242. An Fuerstin Marie von Thurn und Taxis-Hohenlohe, Muenchen, Widenmayerstsrasse , 6.9.1915

…. Ihre Briefe gehoeren fuer mich zu den ganz ganz wenigen Dingen, die eine Kontinuitaet bedeuten vom Gewesenem her zum Kuenftigen, ich halte mich gleichsam an ihnen hinueber, - wuesste ich nur wohin. Dass ich nicht schrieb, liegt eben an dieser Verschlossen- und Verdrossenheit meiner Natuer, der ich nichts abringe , es sei denn eine Besorgnis oder Beklagung, und wie sollt ich ihnen mit der kommen wollen! Auch mit der Freude ueber den bisher guten Zustand Duinos zu kommen, hat keinen Sinn, - denn ~~~ Sinn wird erst wieder in unser Freuen und Hoffen und Leidwesen kommen, wenn wirs wieder mit Begreiflicherem, Menschlicherem zu tun bekommen. Ach Fuerstin, ein paar Jahre frueher und ich haette vielleicht in meinem damals noch nicht so verfallenen Herzen Erscheinungen aufgebracht, die selbst einer solchen Zeit gegenueber bestanden haetten, eine Stunden-Buch-Verfassung, die maechtig gewesen waere, dem schlechthin Unbegreiflichen das gleichzusetzen, was seinem Wesen nach ueber alles Einsehn hinausgeht…

Denn ob es gleich keiner laut zugeben mag, Troestungen taeten not, die grossen unerschoepflichen Troestungen, deren Moeglichkeit ich oft auf dem Grunde meines Herzens empfunden habe, fast erschrocken, sie, die grenzenlosen, in so eingeschraenktem Gefaesse zu enthalten. Es ist ja sicher, dass der goettlichste Trost im Menschlichen selbst enthalten ist, mit dem Troste eines Gottes wuessten wir wenig anzufangen,
sondern es muesste nur unser Auge eine Spur schauender, unser Ohr empfangender sein, der Geschmack einer Frucht muesste uns vollstaendiger eingehen, wir muessten mehr Geruch aushalten, und im Beruehren und Angeruehrtsein geistesgegenwaertiger und weniger vergesslich sein - : um sofort aus unseren naechsten Erfahrungen Troestungen aufzunehmen, die ueberzeugender, ueberwiegender, wahrer waeren als alles Leid, das uns je erschuettern kann… Liebe Fuerstin, was hab ich nur mit diesem Herzen, meinem, fuer Missbrauch getrieben, dass es jetzt nicht Zeugnis gibt von unserer Troestbarkeit…..

243. An Ilse Erdmann   11.9.15

~~~ Ich bin umgeben von Umstaenden, die mich im persoenlichsten Einsehen und Bekuemmern zurueckhalten; fast nirgends erhebt sich mein Wesen ins Allgemeinere; wo ich von der Zeit, dem Kriege, ja irgend einer Erscheinung des aeusseren oder inneren Daseins zu sprechen haette, muesste ich es in der subjektivsten Form tun, das heisst in der leidendsten; ich wuerde mich als der im Grunde Unbeholfenste, ja als nahezu Huelfebegehrender herausstellen, waehrend Sie in mir doch den Helfenden anzureden entschlossen sind. Und ich weiss, dass keine Ueberhebung und unmittelbare Unwahrheit darin liegt, wenn ich Sie gewaehren lasse, als waere ich wirklich helfend. Dies ist zwischen uns eine Voraussetzung, von deren Beweis wir absehen -, und am Ende weiss, unter Einsamen, doch keiner, ob er nicht in seiner Not dem anderen doch noch troestlich sei, ob nicht die Gebaerden seiner eigensten Ratlosigkeit zeichengebend und winkend in den Raum des Unabsehlichen hineinwirken.

Nur so viel: Was Sie an Sicherheiten in meinen Buechern gefunden haben, sind nicht mehr die Sicherheiten, aus denen ich lebe. Geistig sowohl wie vielfach koerperlich ist mir vorderhand alle Stuetze weggenommen, ich halte mich, sozusagen, im Unmoeglichen, aber da ich mich halte, so wird wohl eine Kraft an mir betaetigt sein, die ich vielleicht nach und nach zu der meinen mache, da sie sich immerhin in mir bewaehrt. Dass um diese interne Heimsuchung nun auch noch die Welt so heimgesucht zusammengeschlagen ist, umgibt mein bemuehtes Herz mit unbeschreiblicher Finsternis. Um zu wissen, wie arg mir diese Zeitlaeufte anhaben, muessen Sie sich denken, dass ich nicht "deutsch" empfinde, - in keiner Weise; ob ich gleich dem deutschen Wesen nicht fremd sein kann, da ich in seiner Sprache bis an die Wurzeln ausgebreitet bin, so hat mir doch seine gegenwaertige Anwendung und sein jetziges aufbegehrliches Bewusstsein, soweit ich denken kann, nur Befremdung und Kraenkung bereitet; und vollends im Oesterreichischen, das durch die Zeiten ein oberflaechliches Kompromiss geblieben ist (die Unaufrichtigkeit als Staat), im Oesterreichischen ein Zuhause zu haben, ist mir rein unausdenkbar und unasfuehlbar! Wie soll ich da, ich, dem Russland, Frankreich, Italien, Spanien, die Wueste und die Bibel das Herz ausgebildet haben, wie soll ich einen Anklang haben zu denen, die hier um mich grosssprechen? Genug.

 

page 505-506 , 244. An Ilse Erdmann    9.10.1915

...Bei mir kommt freilich hinzu, da ich, bei nicht sehr starken Schmerz-erlebnissen in meiner physischen Natur, von jeher ueberaus wehleidig war, ja mir will koerperlicher Schmerz so durchaus unsinnig erscheinen, dass meine Seele, wo er auftritt, ihm nachgibt, als ob er sie aus dem Raum, den sie sonst einnimmt, einfach verdraengte. Ich kann ihn nicht anders als hoechstens als eine Intensitaets-Erfahrung hinnehmen, wie wir ja sicher das Intensive laengst aus ihm kennen, ehe wir, momentan, in der Freude, in der Entzueckung in verdichteter Arbeit es wiederfinden. Ich moechte glauben, dass ganz kleine Kinder in ungeheueren Intensitaeten von Genuss, Schmerz und Schlaf sich durchmachen, spaeter gibt es Zeiten, wo ein koerperliches Wehetun gleichsam das einzige Beispiel des Intensiven an uns bleibt, so zerstreuend geht das Leben mit uns um.
Im Sterben dagegen muss leiblicher Schmerz oft eine boese Beirrung sein, da er gewiss das Hiesigste ist, ungueltig sozusagen dem Allgemeinen gegenueber, in das der Sterbende sich richtet. Die eigensinnige oertliche Betonung des Schmerzes, die zur Einseitigkeit zwingt, widerspricht wahrscheinlich der Neigung des Sterbenden, ein schon weltisches Teilnehmen zu versuchen: das dann freilich noch ganz mit hiesigen Mitteln geleistet wird; aber die irdischen Mittel sich anzueignen, eine gewisse Vollzaehligkeit unserer Beziehungen zur Erde zu erreichen, unsaeglich, unbeschreiblich, atemlos hier zu sein: waere das nicht der einzige Weg fuer uns, endlich zu mehr als nur Irdischem gefasst zu werden? Ich meine, wir haben die Unermesslichkeit an unserer Unfaehigkeit zu erfahren, selbst das Ermessbare auszumessen. … Das Hiersein als eine Seite des Seins ueberhaupt zu verstehen und leidenschaftlich zu erschoepfen, das waere die Anforderung des Todes an uns, waehrend das Leben, wo man es nur wahrhat, an jeder Stelle das ganze Leben ist.
… so wenig wollte er, der wusste, wieviel uns hier zu leisten bleibt (ach was nicht?!) die Neugier hinaus und hinueber gewendet wissen. Aber andererseits ist ja auch das moeglich: den gestirnten Himmel zugehoerig ums Herz zu haben.


245. An Ellen Delp, 10.10.1915 (Muenchen?)

Liebe Ellen,
Ich habe eine Zeit nicht sehr fruchtbaren Plaenemachens hinter mir, die ich merkwuerdig unglaeubig betrieben habe; das wird mir nun begreiflich, da, wie ich hoere, wieder eine Musterung fuer meinen Jahrgang ausgeschrieben ist. Dadurch wird einem ja zunaechst alles eigenmaechtige Vorhaben erspart, denn da ich nun einmal hier in den Listen stehe, ists am Besten, wenn ichs hier abwarte und mich hier der naechsten leidigen Entscheidung unterziehe. Aber so wird die Zeit wieder unmittelbar zur Warte-Zeit; nichts ist mir quaelender.
Diese Zimmer hier muss ich morgen verlassen, da die Eigentuemerin vom Land zurueckkommt, mit ihnen den grossen herrlichen Picasso, an dem ich nun seit fast vier Monaten gewohnt habe. Vier Monate – was fuer Zeiten gehen hin und womit? Fuer mich mit immer trueberer Einsicht in das Un-Heil und den Un-Sinn, in dem alles unverbesserlich weiterdraengt, Menschenkraft und Menschendasein, …Was wird das fuer eine Ratlosigkeit geben hernach, wenn all die glaeubig hingenommenen Begriffe von den Sockeln, auf denen man sie aufgestellt hat, abgenommen sein werden, und die verwirrt Ueberlebenden an die verlassenen Gesetze des innersten Daseins sich wieder werden anschliessen wollen. Kanns denn keiner hindern und aufhalten? Warum gibt es nicht ein paar, drei, fuenf, zehn, die zusammenstehn und auf den Plaetzen schreien: Genug! Und erschossen werden und wenigstens ihr Leben dafuer gegeben haben, dass es genug sei, waehrend die draussen jetzt nur noch untergehen, damit das Entsetzliche waehre und waehre und des Unterganges kein Absehen sei.
      
Warum gibt es nicht   E I N E N  , ders nicht mehr ertraegt, nicht mehr ertragen mag, schriee er nur eine Nacht lang mitten in der unwahren, mit Fahnen verhaengten Stadt, schriee
und liesse sich nicht stellen, wer duerfte ihn deshalb Luegner nennen? Wie viele halten diesen Schrei mit Muehe zurueck, - oder nicht? Irr ich mich und gibt es nicht viele, die so schreien koennten, so begreif ich die Menschen nicht und bin keiner und hab nichts nichts mit ihnen gemein. ***)

Verzeihen Sie, Ellen, aber so ist mir seit bald einem Jahr zu Mut, ich stuerms gegen Sie aus, weil Sie ein Maedchen sind und gegen die hohen Dinge gerichtet und ueberdies im innigsten Gemuet voll Gleichgewicht nach Ihren Ritten durch das Strahlen des Herbstes in seine neuen Offenheiten hinein~~~ So koennen Sie's schon aushalten, wenn Einem das bitterste Herz uebergeht.

Ich habe nicht nur Paris-, ich habe auch alle meine Dinge dort, meinen ganzen Besitz, der zum grossen Teil ein fast innerer war, verloen, - man hat auf Antrag des Hausbesitzers alle diese Sachen im April versteigert, unboeswillig, - er wollte einfach zu seiner Miete kommen, denn es konnte ihm keiner versichern, dass ich noch existieren und zahlen werde. Ich klage nicht, denn wer duerfte jetzt, wo Verluste noch das Mindeste sind, ein eigenes Verlieren beklagen -, aber, das Wertlossein des uns eigentlich Wirklichen, in dem diese Zeit es so weit gebracht hat, auch an diesem Vorfall schmerzlich abzulesen, kann mir doch wohl nicht verweigert sein.---

  ***) I ask - on April 12, 2011 - but why were not you, Rilke, the one?
        And I - who so much oppose self-sacrifice - admire the simple people
        who do just this, what Rilke yearned for in 1915 -
they revolt on the streets and let themselves be shot -
in most of the states of the Middle-East...


      

Page 509, 246. An Ellen Delp – Muenchen, Keferstrasse, 27. Oktober 1915
"Baum, Tier und Jahreszeit", alles das hat nicht mehr jene unmittelbare Magie ueber mich, die zu Zeiten, wie eine reine Gluecksbestimmung, mein noch so vergangenes Herz ueberwiegen konnte. Die "Arbeit nach der Natur" hat mir das Seiende in so hohem Grade zur Aufgabe gemacht, dass mich nur sehr selten noch, wie aus Versehen, ein Ding gewaehrend und gebend anspricht, ohne die Anforderung, in mir gleichwertig und bedeutend hervorgebracht zu sein. Die spanische Landschaft (die letzte, die ich grenzenlos erlebt habe), Toledo, hat diese meine Verfassung zum Aeussersten getrieben; indem dort das aeussere Ding selbst: Turm, Berg, Bruecke zugleich schon die unerhoerte, unuebertreffliche Intensitaet der inneren Aequivalente besass, durch die man es haette darstellen moegen. Erscheinung und Vision kamen gleichsam ueberall im Gegenstand zusammen, es war in jedem eine ganze Innenwelt herausgestellt, als ob ein Engel, der den Raum umfasst, blind waere und in sich schaute. Diese, nicht mehr von Menschen aus, sondern im Engel geschaute Welt, ist vielleicht meine wirkliche Aufgabe, wenigstens kaemen in ihr alle meine frueheren Versuche zusammen; aber, um die zu beginnen, Ellen, wie muesste einer beschuetzt und beschlossen sein!    Rainer

page 510, 247. An Lotte Hepner, Muenchen, jetzt Keferstrasse, 8. Nov. 1915.

Was in Malte Laurids Brigge … ausgesprochen eingelitten steht, das ist ja eigentlich nur dies, mit allen Mitteln und immer wieder von vorn und an allen Beweisen dies: Dies, wie ist es moeglich zu leben, wenn doch die Elemente dieses Lebens uns voellig unfasslich sind? Wenn wir immerfort im Lieben unzulaenglich, im Entschliessen unsicher und dem Tode gegenueber unfaehig sind, wie ist es moeglich dazusein? Ich bin nicht durchgekommen, in diesem unter der tiefsten inneren Verpflichtung geleisteten Buch, mein ganzes Staunen auszuschreiben darueber.

page 497…. To whom?

...Wenn ihr Brief, trotz der Offenheit seiner Aussprache, so wenig faehig ist, ein eigentliches Bild zu geben, so liegt das einesteils in Ihrer grossen Jugend, anderenteils daran, dass Sie , wie alle jungen Menschen, wo sie von sich selbst zu reden meinen, doch mehr von den Wider-staenden handeln, die Ihnen entgegenstehen. Es scheint mir eine besonders glueckliche Fuegung fuer Sie, dass Sie in Ihrem Mann einen so weitfuehlenden Freund haben; einen nahen Menschen zu haben, in dem entgegen-gesetzte Ansichten mit einer tiefen ueberzeugten Freundschaft zusammengehen, kann von wunderbar entwickelndem Einfluss sein; denn solange man (wie meistens den Eltern und sonst aelteren Leuten gegen-ueber) gezwungen ist, das Andere auch jedesmal fuer das Falsche, Arge, Feindliche zu halten, statt eben schlechthin fuer – das Andere, solange bekommt man keine gelassene und gerechte Beziehung zur Welt, in der jedes Raum haben soll, Teil und Gegenteil, ich und der von mir Allerver-schiedenste. Und nur unter Voraussetzung und Zugebung einer solchen, vollzaeh-ligen Welt wird man auch das eigene Innere, mit seinen internen Kontrasten und Widerspruechen, weit und geraeumig und luftig einrichten.
Die Frage, die Ihr Mann durch Sie an mich richtet, ist allgemein nicht zu beantworten; denn in der Art ihrer jedesmaligen persoenlichsten Loesung wird sich herausstellen, ob der Einzelne mit seiner opfernden Einstellung sich selbst Schaden tut oder nicht. Selbst ein scheinbarer Verzicht auf eigene Ideale, um der Sorgfalt zu einem Anderen willen, muss nicht endgueltiger Verzicht sein, sondern kann wiederum Bereicherung werden; denn wer fuer einen Anderen in grosser Unterwerfung sich bemueht, der kann ja auch wieder in dem Anderen das grossziehen, was er in sich vernachlaessigt; und manch einem mag es schoener scheinen und lohnender, in einem geliebten Geschoepf oder einem gross begriffenen Gemeinwesen zur Bluete zu kommen, als im eigenen Dasein. Man kann sich die Weiten und Moeglichkeiten des Lebens gar nicht unerschoepflich genug denken. Kein Schicksal, keine Absage, keine Not ist einfach aussichtslos; irgendwo kann das haerteste Gestruepp es zu Blaettern bringen, zu einer Bluete, zu einer Frucht. Und irgendwo in Gottes aeusserster Vorsehung wird auch schon ein Insekt sein, das aus dieser Bluete Reichtum traegt, oder ein Hunger, dem diese Frucht willkommen ist. Und sollte sie bitter sein, so wird sie doch mindestens einem Auge erstaunlich gewesen sein und wird ihm Lust gemacht haben und Neugier nach Formen und Farben und Hervorbringungen des Dickichts; und sollte sie abfallen, so faellt sie in die Fuelle des Kuenftigen und traegt noch in ihrem letzten Zerfall dazu bei, es reicher, bunter, draengender und wachsender zu machen. …





Arad, April 29, 2011

Mika (age 5,4) during our 5 days in Sao Paulo
April 21-26, 2011:

"Do you know whom I love most?"
"Abba?" - "No..."
"Imma?" "No..."
"Whom then?"
"God!"
Imma: "But how can you love someone
whom you don't know?"
"I know him!"
Grandma: "Is God he or she or they?"
"God is he and she and they!"





Rainer Maria Rilke   
Das Stunden-Buch . 2. Auflage 1907


Wenn etwas mir vom Fenster fällt
(und wenn es auch das Kleinste wäre)
wie stürzt sich das Gesetz der Schwere
gewaltig wie ein Wind vom Meere
auf jeden Ball und jede Beere
und trägt sie in den Kern der Welt.

Ein jedes Ding ist überwacht
von einer flugbereiten Güte
wie jeder Stein und jede Blüte
und jedes kleine Kind bei Nacht.
Nur wir, in unsrer Hoffart, drängen

aus einigen Zusammenhängen
in einer Freiheit leeren Raum,
statt, klugen Kräften hingegeben,
uns aufzuheben wie ein Baum.
Statt in die weitesten Geleise
sich still und willig einzureihn,
verknüpft man sich auf manche Weise, -
und wer sich ausschließt jedem Kreise
ist jetzt so namenlos allein.


Da muß er lernen von den Dingen,
anfangen wieder wie ein Kind,
weil sie, die Gott am Herzen hingen,
nicht von ihm fortgegangen sind.

Eins muß er wieder können: fallen,
geduldig in der Schwere ruhn,
der sich vermaß, den Vögeln allen
im Fliegen es zuvorzutun.

(Denn auch die Engel fliegen nicht mehr.
Schweren Vögeln gleichen die Seraphim,
welche um ihn sitzen und sinnen;
Trümmern von Vögeln, Pinguinen
gleichen sie, wie sie verkümmern ...)

 

 

April 29, 2011

The last passage to the right reminded me so much of myself:

"Du gehst jetzt so gerade auf das Goettliche zu;
nein, Du erfliegst es, ueber allem, in geradesten Flug,
dem nichts dawider steht.


"Und ich bin dort gewesen,
immer schon,
schon als Kind,
und komm gehend davon her
und bin ausgesandt
(nicht um zu verkuenden),
um unter dem Menschlichen
zu sein,
um alles zu sehen,
um nichts abzu- "

To my regret the clipping ends here,
and I could nowhere find the continuation,
not in my box and not on t he Internet,
but I know that he meant:
"to deny nothing".

Rilke an Clara Rilke No. 101, p 251, Paris, 4. Sept. 1908      
Da war so viel, dass ich noch vergass, Dir zu sagen, wie gut ich Deine Freude und neue Teilnahme an Paula Beckers schoener Bueste begreife; ich dachte neulich unvermittelt ganz intensiv an sie, sah sieh, als ich im .. Louvre... eine koenigliche Sandsteinbueste entdeckte, aus der XVIII. Dynastie.

See the very moving article about
the relationship between Rilke and Paula Becker
,
who were both 24, when they met.
Paula had died 10 months before Rilke wrote this letter.

Above is a sculpture of the 5th dynasty,
which I found in
"Sahure – Tod und Leben eines großen Pharao"
ca. 2428 bis 2416 v. Chr.
als politisch wie kulturell herausragender König der 5. Dynastie
und ist damit ein prominenter Vertreter
des Alten Reichs, der sogenannten Pyramidenzeit.


To the right I inserted a Louvre sculpture of Thoutmôsis III
who was of the 18th dynasty,
but the sculpture is not of sandstone

Die glich ihr so wunderlich in Haltung und Zusammenhang und Ausdruck: da dachte ich, wieviel Grosses doch in Deiner fruehen Arbeit stecken muesse, wenn ein so unvordenklicher Eindruck sie in einem heraufzwingen kann, wie das Spiegelbild ines Dines, welches man bemerkt, sofort das Ding herausruft, auch wenn mans nicht sieht.-

Dies ist in den unbegrenzten Himmeln der Arbeit die erste Seligkeit:
dass einem ein viel frueheres Ding wiedergegeben wird,
damit man es mit der inzwischen gerechter gewordenen Liebe
erfasse und zu sich stelle.
Da beginnt die Korrektur der Einteilungen,
wo Vergangenes wiederkommt, wie aus der Zukunft;
einst Vollbrachtes als zu Vollendendes.
Und dies ist die erste Erfahrung, die einen,

aus der Reihenfolge heraus,
auf die Stelle des eigenen Herzens stellt,
die im Raum ist
und immer gleich fern von allem
und Aufgang und Untergang hat
durch die unendliche Bewegung um sie~~~
"
[I quoted this passage in the context of "TIME", today]

Paula Modersohn-Becker
1876-1907


Bettina v. Arnim:
a very good article
in Encyclopaedia Britannica


Sappho


A Roman copy of
a bust of Sappho

 

Ich lese den "Briefwechsel Goethes mit einem Kind", dieses starke instaendigste Zeugnis gegen ihn, das alle meine Verdachte bestaetigt. Du verstehst, das ist, unbeschadet seiner universellen Existenz, mit dem aeussersten Massstab gemeint. Malte Laurids hat davon angemerkt: "Goethe und Bettine: da waechst eine Liebe an, unaufhaltsam, zeitfaellig und im Recht, wie die Flut des Meeres, wie das steigende Jahr. Und er findet nicht die einzige Gebaerde, sie ueber sich hinauszuweisen, dorthin, wohin sie meint... er nimmt sie an, p. 232 grossmuetig, ohne sie recht zu gebrauchen; gescholten, verlegen, anderwaerts mit einer Liebschaft beschaeftigt-."
Malte Laurids hat recht; aber, seit gestern denk ich, dass Rodin aehnlich versagt haette in solchem Fall nur mit sympathischerer Gebaerde; und wie waghalsig es ist, zu verurteilen, wo solche Kraefte versagen; an den Konventionen der Liebe sich aufloesen wie ein Woelkchen: ohne Zorn, ohne Gewitter, ohne befruchtenden Erguss ueber die duerstende Erde.
Wie herrlich ist diese Bettine Arnim; einmal bin ich einer Frau begegnet, die ein Stueck weit so war. Damals geriet ich in eine unbeschreibliche Bewunderung und merkte das Wort von der Sensualité de l'âme vor, die seit Sappho eine von den grossen Verwandlungen war, durch die die Welt langsam wirklicher wird. Und nun sehe ich in der Bettine, dass es das schon ganz und gar gegeben hat (waehrend Goethe es anstaunte und nicht glaubte und sich erschreckt fuehlte dadurch).Was ist sie fuer ein Element; was fuer ein Umgestalter, was fuer ein Ansturm in der Luft ihrer Zeit. Wie haette man sich geliebt, face en face [see "face to face"] . Ich haette wohl ihre Briefe beantworten moegen; das waere wie eine Himmelfahrt geworden, ohne Scham, vor aller Augen.

Das spricht vielleicht wieder fuer das augenblickliche Widerspiel unserer Wege; dass ich an diesem Buch lerne, waehrend Buddha warten muss. Urteils nicht ab. Bitte, lass mich gelten und hab Vertrauen. Verlang nichts anderes von mir, auch nicht im Geiste. Ich fuehl es sonst, und es legt sich auf eine Stelle meines Herzens, die arglos sein soll.

Du gehst jetzt so gerade auf das Goettliche zu; nein, Du erfliegst es, ueber allem, in geradesten Flug, dem nichts dawider steht. Und ich bin dort gewesen, immer schon, schon als Kind, und komm gehend davon her und bin ausgesandt (nicht um zu verkuenden), um unter dem Menschlichen zu sein, um alles zu sehen, um nichts abzu-


Another Poem about Gravity...
from   Pictures and Poems, Rilke's Bio
"Below, an autograph copy of one of Rilke's most famous poems
Herbst / Autumn,
still in his older, more lyrical style.
Notice Rilke's characteristic use of   images   of   n a t u r a l     m o v e m e n t , which runs through out the whole of his work."


[Listen to a reading accompanied by Beethoven's Moonlight - on the Rilke Forum]

 

May 25, 2011
I re-read all the poems of "Stundenbuch", "Book of Hours",
but though these early, rhymed, poems are so much easier
than "the Duino Elegies" or "the Sonnets to Orpheus",
there were only a few "love-songs to God"
which I understood enough to make them relevant to me.

Lösch mir die Augen aus

Lösch mir die Augen aus: ich kann dich sehn,
wirf mir die Ohren zu: ich kann dich hören,
und ohne Füße kann ich zu dir gehn,
und ohne Mund noch kann ich dich beschwören.
Brich mir die Arme ab, ich fasse dich
mit meinem Herzen wie mit einer Hand,
halt mir das Herz zu, und mein Hirn wird schlagen,
und wirfst du in mein Hirn den Brand,
so werd ich dich auf meinem Blute tragen




Und meine Seele ist ein Weib vor dir

Und meine Seele ist ein Weib vor dir.
Und ist wie der Naëmi Schnur, wie Ruth.
Sie geht bei Tag um deiner Garben Hauf
wie eine Magd, die tiefe Dienste tut.
Aber am Abend steigt sie in die Flut
und badet sich und kleidet sich sehr gut
und kommt zu dir, wenn alles um dich ruht,
und kommt und deckt zu deinen Füßen auf.

Und fragst du sie um Mitternacht, sie sagt
mit tiefer Einfalt: Ich bin Ruth, die Magd.
Spann deine Flügel über deine Magd.
Du bist der Erbe...

Und meine Seele schläft dann bis es tagt
bei deinen Füßen, warm von deinem Blut.
Und ist ein Weib vor dir. Und ist wie Ruth.

Die Könige der Welt sind alt

Die Koenige der Welt sind alt
und werden keine Erben haben.
Die Söhne sterben schon als Knaben,
und ihre bleichen Töchter gaben
die kranken Kronen der Gewalt.

Der Pöbel bricht sie klein zu Geld,
der zeitgemäße Herr der Welt
dehnt sie im Feuer zu Maschinen,
die seinem Wollen grollend dienen;
aber das Glück ist nicht mit ihnen.

Das Erz hat Heimweh. Und verlassen
will es die Münzen und die Räder,
die es ein kleines Leben lehren.
Und aus Fabriken und aus Kassen
wird es zurück in das Geäder
der aufgetanen Berge kehren,
die sich verschließen hinter ihm.

 

Alles wird wieder groß sein und gewaltig.

Alles wird wieder groß sein und gewaltig.
Die Lande einfach und die Wasser faltig,
die Bäume riesig und sehr klein die Mauern;
und in den Tälern, stark und vielgestaltig,
ein Volk von Hirten und von Ackerbauern.

 

Und keine Kirchen, welche Gott umklammern
wie einen Flüchtling und ihn dann bejammern
wie ein gefangenes und wundes Tier, -
die Häuser gastlich allen Einlaßklopfern
und ein Gefühl von unbegrenztem Opfern
in allem Handeln und in dir und mir.

Kein Jenseitswarten und kein Schaun nach drüben,
nur Sehnsucht, auch den Tod nicht zu entweihn
und dienend sich am Irdischen zu üben,
um seinen Händen nicht mehr neu zu sein.


Auch du wirst groß sein. Größer noch als einer,

Auch du wirst groß sein. Größer noch als einer,
der jetzt schon leben muß, dich sagen kann.
Viel ungewöhnlicher und ungemeiner
und noch viel älter als ein alter Mann.

Man wird dich fühlen: daß ein Duften ginge
aus eines Gartens naher Gegenwart;
und wie ein Kranker seine liebsten Dinge
wird man dich lieben ahnungsvoll und zart.

Es wird kein Beten geben, das die Leute
zusammenschart. Du bist nicht im Verein;
und wer dich fühlte und sich an dir freute,
wird wie der Einzige auf Erden sein:

Ein Ausgestoßener und ein Vereinter,
gesammelt und vergeudet doch zugleich;
ein Lächelnder und doch ein Halbverweinter,
klein wie ein Haus und mächtig wie ein Reich.

These prophecies for a far future might , indeed, manifest.
In painful contrast to those is the wishful thinking for the near future after the war
expressed in a letter to the mother of three sons,
two of them leading members of the failed 20 July plot of 1944 to assassinate Adolf Hitler and remove the Nazi Party from power
Both were executed.
How blessed Rilke was, that he died before he could see, what would really happen in the near future...

No.281, p. 566. An Graefin Caroline Schenk von Stauffenberg
--- Muenchen, 15. Febr. 1919.
Ihr Brief brachte mir wiederum die Bestaetigung der guetigsten Aufnahme. Das beigelegte Bild aber hat ihm viel Mitteilung hinzugegeben, die ich auf das dankbarste empfange: Ich verstehe jetzt die sorge, die Sie in Ihrem vorletzten Briefe "als Mutter von drei Soehnen' aussprachen, aber ich erkenne in der liebevollen Gruppe doch auch wieder das grosse ueberwiegende Glueck, das ihnen mit drei schoenen und schon im jetzigen Ausdruck so vielfach kuenftigen Knaben geschenkt worden ist.

Wer weiss, ob wir nicht das Schwerste an Wirrnis und Gefahr zu bewaeltigen haben, und ob nicht die naechste Generation in eine von selbst gleich sehr zukuenftige Welt wird hineinwachsen duerfen: denn es muss ja doch die Wasserscheide des Krieges, entsetzlich hoch wie sie war, einen ablauf ins weiteste und Neue ermoeglichen; und es muss auch, sag ich mir, im Wesentlichen solcher Umbrueche, wie wir gegenwaertig einen durchmachen, ein tiefstes Rechthaben wirken, ein Entschluss des Menschlichen im Ganzen; das ja doch immer im Ganzen: das ja doch immer, wo es sich, wenn auch noch so unbeholfen, zusammennimmt, wieder in den Bereich goettlicher Maechte hineingedraengt wird, als ein Blindes, aber in jdem guten Willen Gesegnettes!
In dauernder und grosser Ergebenheit    Ihr Rilke.

Drei Soehne;

Graf Berthold Schenk von Stauffenberg, geb. 15.3.1905, Jurist, unter dem Hitler-Regime hingerichtet am 10.8. 1944;


[His twin] Graf Alexander, geb. 15.3. 1905 ,
Professor fuer alte Geschichte an der Universitaet Muenchen;


Graf Claus Philipp von Stauffenberg,
geboren 15.11.1907, Oberst im Generalstab,
Leiter des Widerstandskampfes
gegen Hitler,
der das vergebliche Attentat auf sich nahm; erschossen am 20. 7. 1944.

 

 

July 29, 2011

"Und viele sterben vielleicht unterwegs" - and many may die on their way
Rilke's last letter expressing love of soul and torment of body,
compared with the torment of body,
as expressed 1900 years earlier by R. Eliezer ben Hyrkanos
see context in "Heaven-to-Earth-1">July 29-31, 2011

Rainer Maria Rilke and his Body's torment before his death

[ Brief 432, p. 944) An Beppy Veder (a young artist from Rotterdam whom he had met in a rehab clinic at Ragaz), Ragaz, am 9. August 1926
Nicht unsere Stunden allein~~~, dass Sie mir abends noch diese Nachschrift eingetragen haben, ist mir auf eine eigene Art gut und troestlich gewesen. Und was die Freude angeht, so koennte nicht leicht etwas geschehen, was sie zu verringern vermoechte. Selbst wenn meine ganze Beschaeftigung, wenn alle meine Vorlieben, wenn jeder Gegenstand meines inneren Eifers sich als Ihnen fremd herausstellte, so bliebe doch das bestehen, was Sie mir, vor jedem Wort, mit dem ersten Haendereichen in die Hand gelegt haben: ein unendlich freudiges Vertrauen zu Ihrem Leben selbst, zu der Anwendung, die Sie ihm geben aus den Vorraeten eines Gemuets heraus, das selbst durch Kummer, Schmerz und Enttaeuschung nie verarmen wird, weil tiefe glueckliche Quellen es speisen und in Frische und Fuelle halten, was auch Ihnen geschaehe. Aber nun moege Guenstiges geschehen, dass die Kunst, der Sie neu gehoeren wollen, aus Ihnen den Aufstieg naehme, fuer den Raum und Himmel um Sie vorbereitet sind. .... und dann hoff ich Sie nicht "einmal", sondern, ... noch so viel zu sehen, als Sie mirs irgend erlauben moegen.
[no other letter till the following]

Nr. 433, p. 945, An Beppy Veder , 23. August 1926
Nun hat jeder von den so verschiedenen Menschen, denen Sie hier eine immer sichere Freude gewesen sind, Zeit gehabt, seine Entbehrung zu ueben: die meine ist von so besonderer Art, dass ich Ihnen immer noch nicht schreiben konnte. Vielleicht weil ich so auf Ihr Da-Sein eingestellt war, dass es mich verwirrt, einen anderen Umgang zu lernen, einen weniger unmittelbaren, der das Mass der Entfernung gebraucht. Vielleicht auch, weil ich irgendwie in unserem Abschied stecken geblieben bin. Koennen Sie das verstehen? !!!
[no other letter till the following]

Nr. 434, p. 945, An Rudolf Kassner, 15. December 1926
Mein lieber Kassner, das war es also, worauf meine Natur mich seit drei Jahren eindringlich vorgewarnt hat; ich bin auf eine elende und unendlich schmerzhafte Weise erkrankt, eine wenig bekannte Zellenveraenderung im Blut wird zum Ausgangspunkt fuer die grausamsten, im ganzen Koerper versprengten Vorgaenge. Und ich, der ich ihm nie recht ins Gesicht sehen mochte, lerne, mich mit dem inkommensurabeln
[sic!] anonymen Schmerz einrichten. Lerne es schwer, unter hundert Auflehnungen, und so trueb erstaunt. Ich wollte, dass Sie von dieser meiner Lage, die nicht die voruebergehendste sein wird, wissen. Unterrichten sie die teuere Fuerstin davon, soviel, als Sie es fuer gut halten. ....Und Sie lieber Kassner? Wie war Paris fuer Sie? Ich war gluecklich, die Éléments de la Grandeur humaine im Commerce-Heft [edited by his beloved French poet Paul Valéry, as Rilke told in a former letter] zu finden!
Ich denke viel, viel an Sie. Ihr Rilke



On July 31, 2011- I discovered my sculpture of 2 letters from Rilke to his wife,
who are very relevant for my own life/      See Rilke's letter in puzzle-piece 19b>Death

Rabbi Aqiba-
and how he related to Body's torment in the case of his teacher,
Rabbi Eliezer ben Horkanos [only mentioned, not quoted in my book]







I'm not copying the secondary story , told in Babylonia some 200 years later,
since it ruins R. Aqiba's point;
suffering comes to make you aware!
it makes you "come to your senses",
to let go of the denial of your True Self.
Instead this story returns to the "reason", that suffering is a "punishment",
a central belief at the time of Jesus and until recently in the religious world.
Moreover, if you don't suffer, you won't have "a part in the coming world".
The more you suffer here, the better there.
That was common to Christians and Jews for most of history since the first century.

Aqiba himself demonstrated a much "higher" relationship with Body's torment,
when he was tortured on the burning stake by the Roman's after the Betar-holocaust.
"All my life I wanted to know, what it means "with all your heart and all your soul,
and now, that I have the chance to stand the test, shouldn't I be happy?

I want to quote, what I sculpted about R. Aqiba in "Song-of-Songs" in 2002:

While working on converting my book into web pages,
which means for me to re-read for the first time , what I wrote from 1967-1982,
I was again deeply moved by the "parentalness"
of Israel's Sages for the catastrophic cataclysm of Israel between 70 and 133 A.D.

The most controversial sage was
Rabbi Aqiba,
who hailed the "Son-of-Deception" (Bar Koziba instead of Bar Kochba)
- seen by his colleagues as the instrument of that holocaust
- as the Messiah,
and - died for it as a martyr,
but who also evolved the image of "God" into THE LOVER
and the relationship between God and Israel into one of LOVE BEYOND DEATH,
thus giving his dejected and humiliated people a reason to be proud and self-loving
in the face of harsh judgments from their surroundings.


Rabbi Aqiba was an illiterate day laborer until the age of 40,
when his wise wife, Rachel, made him start studying.
Rabbi Aqiba believed ,
that the Song of Songs was more important even than the Torah
.
[I wished I would translate into English, what can be read only in German and Hebrew
see bundle 7 and bundle 8 of my book

I vacillate between raging at Aqiba and adoring Aqiba,
between raging at my Jewish people for its potential to destroy itself again
and revering my Jewish people for its potential to be the master of its destiny.